Wie entsteht bei Kleinkindern ein „Wörterbuch im Kopf“?
18 October 2010 - UNI-GOETTINGEN

Analyse der Augenbewegungen von Kleinkindern: Göttinger Wissenschaftler sind den Mechanismen des Erlernens neuer Wörter auf der Spur. Klicken Sie bitte hier, um das Bild in Druckqualität herunterzuladen. Prof. Dr. Nivedita Mani Klicken Sie bitte hier, um das Bild in Druckqualität herunterzuladen.
Schon bevor Kinder ihre ersten Wörter sprechen, wissen sie als Einjährige bereits, welche Laute ihre Muttersprache benutzt und wie Laute kombiniert werden. Welche Informationen Kleinkinder über Wörter speichern, wie sie den Wortlauten Bedeutungen zuordnen und sich nach und nach einen Wortschatz aufbauen, darüber ist im Detail bislang wenig bekannt. „Wir wollen unter anderem herausfinden, wann Kinder in der Lage sind, Unterschiede ähnlich klingender Wörter wie Ball und Wall zu erkennen. Ist es für ein Kind einfacher, das Wort Kasse zu lernen, wenn es bereits das Wort Tasse kennt?“, erläutert Prof. Mani. In dem Göttinger Forschungslabor „WortSchatzinsel“ sehen die Kinder Bilder und kurze Filme auf einem großen Bildschirm, während Wörter und Sätze über Lautsprecher eingespielt werden. Eine Kamera zeichnet die Augenbewegung des Kindes auf; aus den Blickbewegungen ziehen die Wissenschaftler anschließend Rückschlüsse auf die kognitiven Prozesse der Sprachverarbeitung. Untersucht wird zum Beispiel, ob das Kind auf das passende Bild schaut, wenn es ein bestimmtes Wort hört. Bei einigen dieser Experimente wird zusätzlich die Hirnaktivität mit Hilfe von EEG gemessen. Nivedita Mani wurde 2005 an der Universität Oxford mit einer Arbeit über die Wahrnehmung mehrdeutiger Sätze bei Erwachsenen promoviert. Seitdem beschäftigt sie sich mit dem Spracherwerb bei Kindern. Zwischen 2006 und 2008 untersuchte sie, welche Wörter den Weg in den kindlichen Wortschatz finden und wie Kinder auf Aussprachefehler reagieren. Am University College London forschte sie über die Verknüpfung zwischen ähnlich lautenden Wörtern bei Kindern. Anfang dieses Jahres kam sie an die Universität Göttingen, um hier in ihrem Forschungsgebiet eine Nachwuchsgruppe und das Forschungslabor aufzubauen. Sie kooperiert mit der Forschergruppe „Göttinger Kindsköpfe“ am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie. Das Forschungslabor wird am Freitag, 22. Oktober 2010, mit einem wissenschaftlichen Workshop offiziell eröffnet. Gastreferenten kommen aus Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden. Außerdem veranstaltet die Nachwuchsgruppe am Sonnabend, 13. November 2010, einen Tag der offenen Tür im Forschungslabor „WortSchatzinsel“, Goßlerstraße 14. Weitere Informationen zur Nachwuchsgruppe sind im Internet unter www.uni-goettingen.de/de/127874.html zu finden. Ihre Forschung an der Universität Göttingen stellt Prof. Mani zudem in einem kurzen Video vor, das unter www.uni-goettingen.de/neuesdenken abrufbar ist.
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