Trauer, Angst, Wut: Wie die Amerikaner auf die Ereignisse am 11. September 2001 reagierten
01.09.2010
Die Autoren Mitja Back, Albrecht Küfner und Boris Egloff konnten für ihre Studie auf Daten zurückgreifen, die am 25. November 2009 auf der Internet-Plattform WikiLeaks anonym und frei zugänglich veröffentlicht wurden. Sie decken 24 Stunden von 3 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts des Folgetags ab und umfassen insgesamt 573.000 Datensätze mit 6,4 Mio. Wörtern, die von über 85.000 unterschiedlichen Pagern - in Deutschland auch Funkmelder oder Pieper genannt - in den USA versandt worden sind. Die Daten ergeben einen minutengenauen Verlauf des emotionalen Befindens Tausender US-Bürger.
Die Auswertung zeigt, dass die Menschen nicht in erster Linie mit Trauer auf die Terroranschläge reagierten. Es gab einige Angstausbrüche, die mit dem Einschlag der Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon, dem Einsturz der Türme und den ersten Informationen über den terroristischen Hintergrund der Anschläge einhergingen - sich danach aber schnell wieder abschwächten. "Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Medien weitere Hintergrundinformationen verbreitet haben, die die Unsicherheit und damit die Angst verringerten", erläutert Back.
Das Gefühl von Wut hingegen war von Anfang an, bereits beim Einschlag des ersten Flugzeugs in das World Trade Center, vorhanden und nahm mit den fortlaufenden Informationen über den terroristischen Hintergrund stetig zu. Am Ende des Tages war der Ausdruck von Wut und Ärger fast 10 Mal so hoch wie zu Beginn. Die Studie gibt damit einen ersten Einblick, welche Ursachen zu den weitreichenden Konsequenzen führten, die der 11. September zur Folge hatte - angefangen von vermehrter Diskriminierung über die Konfrontationspolitik der Bush-Ära bis hin zur Beschneidung von Bürgerrechten. "Da Wut und Ärger Empörung und den Wunsch nach Rache hervorrufen, bekommen wir jetzt eine erste Idee davon, was in den Menschen in Amerika unmittelbar nach den Anschlägen vorgegangen ist", ergänzt Küfner.
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