Riesiges Bernsteinvorkommen in Indien entdeckt

Der indische Bernstein enthält noch komplett erhaltene Insekten - eine extreme Rarität. Normalerweise sind die Einschlüsse komplett verwest; was man sieht, ist in der Regel nur eine hauchdünne ?Insekten-Tapete?. Die Abbildung zeigt eine Ameise, die vor mehr als 50 Millionen Jahren ins Harz eingeschlossen wurde. (c) Steinmann-Institut, Universität Bonn
Eingeschlossene Insekten zeigen: Der Subkontinent war längst nicht so lange isoliert wie gedacht
Riesiges Bernsteinvorkommen in Indien entdeckt Eingeschlossene Insekten zeigen: Der Subkontinent war längst nicht so lange isoliert wie gedacht
Seit zwei Jahren untersuchen Forscher der Universität Bonn zusammen mit indischen und US-Kollegen Bernsteinfunde aus dem Nordwesten Indiens. Inzwischen zeigt sich, dass es weltweit möglicherweise eines der größten Bernsteinvorkommen ist, das bislang entdeckt wurde. Die in das fossile Harz eingeschlossenen Insekten werfen ein neues Licht auf die Geschichte des Subkontinents: Dieser scheint längst nicht so lange isoliert durch die Weltmeere gedriftet zu sein wie bislang vermutet. Die Forscher berichten in der Zeitschrift PNAS über den 50 Millionen Jahre alten Schatz, der erst ansatzweise gehoben ist (doi: 10.1073/pnas.1007407107).
Wer stolz darauf ist, einen Bernstein mit einem darin eingeschlossenen Tierchen sein Eigen zu nennen, der sollte jetzt vielleicht nicht weiter lesen: Was da im Jahrmillionen alten Baumharz zu sehen ist, ist nämlich praktisch immer nur eine hauchdünne Fassade. Würde man den Stein auseinander sägen, fände man nichts weiter als einen Hohlraum, ausgekleidet mit einer Art „Insekten-Fototapete“.
Anders sieht es mit dem Bernstein aus, den der Bonner Paläontologe Professor Dr. Jes Rust und seine Kollegen seit zwei Jahren untersuchen. Die an Kräuterbonbons erinnernden Brocken haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Sie enthalten zahlreiche Insektenleichen, die trotz ihrer 50 Millionen Jahre währenden Gefangenschaft teilweise extrem gut erhalten sind. Noch besser: Das versteinerte Harz lässt sich auch noch sehr leicht dazu überreden, seinen Inhalt wieder freizugeben. „Der Bernstein ist nur unvollständig polymerisiert und lässt sich daher leicht auflösen“, erklärt Rust. Mehr als 700 Gliederfüßer aus 55 verschiedenen Tierfamilien haben die Forscher darin bislang gefunden – größtenteils Insekten, aber auch Spinnen, Milben und Pflanzenreste.
Die unansehnlich braunen Brocken stammen von der Küste der nordwestindischen Provinz Gujarat. Ihr Inhalt wirft ein neues Licht auf die Geschichte des Subkontinents: Dieser soll nämlich vor 160 Millionen Jahren von der ostafrikanischen Landmasse „abgebrochen“ und dann isoliert durch die Weltmeere gedriftet sein – mit einem hohen Tempo von etwa 20 Zentimetern pro Jahr. Erst vor etwa 50 Millionen Jahren ist Indien dann mit Asien zusammen gestoßen. Bei diesem Crash hat sich der Himalaja aufgefaltet.Prof. Dr. Jes Rust
Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie
Telefon: 0228/73-4842
E-Mail: jrust [a] uni-bonn (p) de
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