Neue Bonner Durchmusterung begeistert die Astronomen

Die Verteilung des Wasserstoffgases der Milchstraße beobachtet mit dem 64-Meter-Parkes-Teleskop in Australien. Blau markiert Regionen mit den geringsten Wasserstoffmengen, weiß solche mit den höchsten. (c) AIfA, Universität Bonn
Forscher haben das Wasserstoffgas in der Milchstraße kartiert - mit unübertroffener Genauigkeit
Neue ‘Bonner Durchmusterung’ begeistert die Astronomen Forscher haben das Wasserstoffgas in der Milchstraße kartiert - mit unübertroffener Genauigkeit
Radioastronomen der Universität Bonn haben das vom Südhimmel aus sichtbare Wasserstoffgas in der Milchstraße kartiert. Die ‘Bonner Durchmusterung’ präzisiert die Daten einer ähnlichen Studie, die dieselben Forscher 2005 vorgelegt hatten. Die damalige Wasserstoff-Kartierung hat inzwischen hunderte wissenschaftlicher Publikationen von Physikern auf der ganzen Welt nach sich gezogen. Die jetzt vorgelegten Messungen lassen auf einen ähnlichen Ertrag hoffen: Sie übertreffen die Daten von 2005 erheblich an Empfindlichkeit und Detailreichtum. Die Studie ist jetzt in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen (doi: 10.1051/0004-6361/200913979).
Wasserstoff ist das häufigste Element im All. Es entstand direkt nach dem Urknall und bestimmt die Entwicklung des gesamten sichtbaren Universums. Für das menschliche Auge ist das häufigste Element im Weltraum unsichtbar. Wasserstoff leuchtet jedoch kräftig im Radiobereich, bei einer Wellenlänge von 21 Zentimetern. Diese berühmte „21-Zentimeter-Linie“ lässt sich auf der Erde mit großen Parabolantennen auffangen.
Genau das haben die Bonner Radioastronomen zusammen mit australischen Kollegen gemacht: Vom Radioteleskop in Parkes/Australien aus haben sie für den gesamten Südhimmel die 21-Zentimeter-Linienemission unserer Milchstraße vermessen. Die Datenverarbeitung fand dann unter Bonner Federführung statt.Die Fachzeitschrift „Astronomy and Astrophysics“ schmückt den Titel ihrer November-Ausgabe mit einem Bild der Bonner Durchmusterung. Und das nicht ohne Grund: Schon die gerade veröffentlichten ersten Ergebnisse des „Galacitc All Sky Survey“ (GASS) versprechen reichen Ertrag.So erlaubt die Wasserstofflinie Rückschlüsse auf Temperatur und Geschwindigkeit der Gaswolken in der Milchstraße. Dabei hilft den Wissenschaftlern der so genannte Doppler-Effekt. Er sorgt dafür, dass sich die Wellenlänge des Wasserstoffgases bei Bewegung leicht verändert: Wenn sich das Gas von uns wegbewegt, nimmt die Wellenlänge zu – die Wasserstofflinie liegt dann beispielsweise bei 21,5 Zentimetern. Im umgekehrten Fall nimmt die Wellenlänge ab.Wasserstoff als Thermometer
Kontakt:
Dr. Peter M. W. Kalberla
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5769
E-Mail: pkalberla [a] astro.uni-bonn (p) de
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