
Mumien im Scanner
Terahertz-Strahlung wird in den viel diskutierten Körperscannern an einigen europäischen Flughäfen benützt, um bei Flugreisenden verborgene Gegenstände, wie etwa Waffen, unter der Kleidung aufzuspüren. In einem speziell entwickelten Terahertz-Scanner werden aber auch Bilder vom Inneren altägyptischer Mensch- und Tiermumien aufgenommen.
Da die Terahertz-Strahlung kein Wasser durchdringen kann, wird sie beim lebenden Menschen fast vollständig vom wasserhaltigen Körper reflektiert. Das heißt, man erhält mit einem gängigen Terahertz-Körperscanner nur Informationen von Objekten, die sich auf der Hautoberfläche befinden. Mumien sind jedoch nahezu wasserfrei und das Terahertz-Licht kann somit, ähnlich wie Röntgenstrahlen, weit unter die Haut und sogar durch den Körper hindurchstrahlen. Im Gegensatz zum Röntgen ist die Strahlung jedoch "nicht-ionisierend" und damit für das Mumiengewebe vollkommen unschädlich. In den Mumien eventuell noch vorhandene DNA-Fragmente werden nicht zerstört. Diese können, wie jüngst im Falle der Mumie des Tutenchamun, durch moderne Analyseverfahren noch wertvolle Aufschlüsse auf Krankheiten und Verwandtschaftsverhältnisse liefern.
Am Freiburger Materialforschungszentrum (FMF) haben nun Forschende erstmalig mit Hilfe eines von ihnen speziell entwickelten Terahertz-Scanners Mumien mit Terahertz-Strahlung durchleuchtet. Das Freiburger Team um den Wissenschaftler Markus Walther und seinem Doktoranden Andreas Bitzer arbeitete eng mit der Arbeitsgruppe von Dr. Frank Rühli, einem anerkannten Mumienforscher an der Uni Zürich zusammen, der zuvor auch schon den berühmten Gletschermann Ötzi untersucht hat. Bei Ötzi hatte man sich jedoch der für kostbare historische Gewebefunde nicht unbedenklichen Röntgenstrahlung bedient. Mit der Terahertz-Bildgebung steht nun erstmalig ein völlig zerstörungsfreies Verfahren zur Verfügung, um in das Mumieninnere zu schauen.
In ersten Studien zeigten die Forscher, dass etwa die Struktur der Knochen im Terahertzbild deutlich erkennbar ist. Aber auch Grabbeigaben, wie Amulette oder Waffen, lassen sich in noch verpackten (einbandagierten) Mumien auffinden. Da viele chemische Substanzen einen charakteristischen Fingerabdruck im Terahertzfrequenzbereich hinterlassen, besteht außerdem die berechtigte Hoffnung, dass sich damit etwa die Zusammensetzung der damals verwendeten Einbalsamierungssubstanzen entschlüsseln ließe. Im gegenwärtigen Messaufbau am FMF müssen einzelne Mumienteile, zum Beispiel eine Hand oder ein Fuß, noch separat durchleuchtet werden. Er soll in Zukunft entsprechend erweitert werden, um Mumien vollständig scannen zu können.
Kontakt
Dr. Markus Walther, Freiburger Materialforschungszentrum (FMF), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Tel.: 0761/203-7606, E-Mail: markus.walther [at] physik.uni-freiburg.de
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