Göttinger Astronomen untersuchen erstmals Atmosphäre einer Super-Erde
1 December 2010 - UNI-GOETTINGEN

Die Super-Erde GJ 1214b (vorne links) zieht vor ihrem Zentralstern vorbei. Klicken Sie bitte hier, um das Bild in Druckqualität herunterzuladen. Foto: Paul A. Kempton
Um seine Atmosphäre nachzuweisen, beobachteten die Astronomen den Planeten, während er vor seinem Zentralstern vorbeizog. Dabei leuchtet das Licht des Sterns aus unserer Perspektive den Planeten „von hinten“ an, wodurch die Atmosphäre, die den Planeten umgibt, sichtbar wird. Das Licht scheint durch die Atmosphäre des Planeten hindurch, die gasförmigen Bestandteile der Atmosphäre absorbieren das Licht bei charakteristischen Wellenlängen und das so beobachtbare Spektrum kann als „chemischer Fingerabdruck“ interpretiert werden. Mit vergleichbaren Beobachtungen konnten zuvor schon Gase wie Wasserstoff, Methan und Natriumdampf in den Atmosphären ferner „heißer Jupiter“ nachgewiesen werden. Die genaue chemische Zusammensetzung der Atmosphäre ist bislang noch unklar. Die deutschen und amerikanischen Wissenschaftler beobachteten die Super-Erde mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile im nahinfraroten Spektralbereich. Ob die Atmosphäre des Planeten eher dampf- oder eher gasreich ist, könnten weitere Beobachtungen im langwelligen Infrarotbereich klären. Die neuen Beobachtungen schließen allerdings aus, dass der Planet von einer wolkenlosen wasserstoffreichen Atmosphäre umgeben ist. Bestünde die Atmosphäre von GJ 1214b überwiegend aus Wasserstoff, müsste sie wie auf der Venus von einer dichten Wolkendecke oder wie auf dem Saturnmond Titan von einem hochgelegenen Schleier von Aerosolen verhüllt sein. Die Daten ließen sich aber auch durch eine weit dichtere Gashülle mit einem hohen Anteil schwerer Gase erklären. „Mit den aktuellen Beobachtungen können wir noch nicht sicher entscheiden, von welcher genauen Beschaffenheit diese Atmosphäre ist. Aber sie zeigen sicher, dass sie sich von allen bisher beobachteten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems unterscheidet“, erläutert Dr. Derek Homeier von der Universität Göttingen. „Sie könnte der Uratmosphäre unserer Erde weit ähnlicher sein, oder auch auf eine wasserreiche Welt mit einer Hülle aus Wasserdampf hinweisen.“ Und Dr. Bean ergänzt: „Eine solche Atmosphäre müsste zu mindestens einem Fünftel aus Wasserdampf bestehen. Damit würde sie sich sehr von unserer Erdatmosphäre unterscheiden, die aus vier Fünfteln Stickstoff und einem Fünftel Sauerstoff besteht, mit nur kleinen Spuren von Wasserdampf. Etwas Vergleichbares existiert in unserem Sonnensystem nicht.“ Originalveröffentlichung: Jacob Bean et al. A ground-based transmission spectrum of the super-Earth exoplanet GJ 1214b. Nature. DOI: 10.1038/nature09596 Kontaktadressen:
Dr. Jacob L. Bean
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
60 Garden Street MS-16
Cambridge, MA 02138
Tel. +1 (617) 495 7747
E-Mail: jbean [a] cfa.harvard (p) edu
Internet: www.cfa.harvard.edu/~jbean/index.html Dr. Derek Homeier
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik – Institut für Astrophysik
Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen
Tel. (0551) 39-7980 oder (0551) 4 92 04 38
E-Mail: dhomeie [a] gwdg (p) de
Internet: www.astro.physik.uni-goettingen.de
Dr. Jacob L. Bean
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
60 Garden Street MS-16
Cambridge, MA 02138
Tel. +1 (617) 495 7747
E-Mail: jbean [a] cfa.harvard (p) edu
Internet: www.cfa.harvard.edu/~jbean/index.html Dr. Derek Homeier
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Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen
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