Die Wetterstation Aachen- Hörn wird 30

Die Wetterstation Aachen- Hörn wird 30

In diesem Jahr feiert die Wetterstation der RWTH Aachen ein besonderes Jubiläum: „Der 30ste ist in der Klimatologie der wichtigste ‚runde Geburtstag‘“, so Dr. Gunnar Ketzler vom Geographischen Institut. Denn das sei die Zeitspanne, in der man Wetterdaten statistisch optimal bewerten kann. Ketzler ist verantwortlich für den Betrieb der Wetterstation Aachen-Hörn an der Mies-van-der-Rohe-Straße.

Die Messung von Wetterdaten kann zunächst nur Auskunft über den aktuellen Zustand der Atmosphäre geben. Erst durch die Auswertung von Daten, die über Jahre ermittelt wurden, lassen sich Aussagen über die langfristige Entwicklung des Klimas machen.

Foto: Studierende und Wissenschaftler der RWTH ermitteln Daten in der Klimamessstation Aachen-Hörn. Foto: Peter Winandy

30 Jahre entsprechen der Länge so genannter klimatologischer Referenzperioden. Für bestimmte Klimaelemente - besonders für Niederschlag - ist eine so lange Dauer erforderlich, um zuverlässige Aussagen über den mittleren Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort machen zu können. Ein heftiger Sommerregen könne bei kürzeren Messzeiten schnell die Statistik „versauen“, so Ketzler: „Mehr als 30 Jahre machen ebenfalls keinen Sinn, weil wir dann natürliche wie auch durch den Menschen verursachte Klimaschwankungen haben.“ Die Zahl der Stationen, die ein Alter von 30 Jahren am selben Standort erreicht haben, ist bundesweit recht gering. Aber auch ohne Verlegung können sich das Umfeld und die Bedingungen ändern. Messeinrichtungen, die vor Jahren noch am Stadtrand lagen, liegen heute durch wachsende Bebauung mitten in der Stadt. Im Umfeld der Station-Aachen Hörn hat sich hingegen seit Messbeginn wenig geändert.

Weitere Institute nutzen die Daten

Eine sinnvolle Datenbewertung erfordert bestimmte Standortbedingungen: So befinden sich die Thermometer zur Messung der Lufttemperatur in deutschen Wetterstationen grundsätzlich zwei Meter hoch über dem Boden in einer weiß gestrichenen Wetterhütte. Sie reflektiert die Sonnenstrahlung und erwärmt sich kaum, die Temperaturwerte bleiben frei von unkontrollierten Einflüssen. Wenn man am Boden misst, erfasse man die Erdoberflächentemperatur, erklärt Ketzler.

Auf der Hörn werden die Klimaelemente Luftdruck und -temperatur, relative Luftfeuchte, Niederschlag, Sonnenscheindauer, Globalstrahlung sowie Windrichtung und -geschwindigkeit registriert. „Die Station wird selbstverständlich auch in der Lehre insbesondere im Bachelor- und Masterstudium Angewandte Geographie eingesetzt. Darüber hinaus unterstützen wir Projekte anderer Hochschulinstitute“, betont Ketzler. Die Messung des pH-Wertes im Niederschlag wurde beispielsweise für Verwitterungsprozesse neu entwickelter Materialien verwendet. Die Globalstrahlung spielt bei der Entwicklung von Sonnenkollektoren eine große Rolle. Physiker, die neue Antennen testen, nutzen Angaben zur Windgeschwindigkeit. Mitarbeiter des Universitätsklinikums benötigten bereits Daten aus den 80er Jahren für ihre Untersuchungen.

Temperaturen in Aachen steigen

Die Klimatologen der RWTH konstatieren aufgrund der vorliegenden Werte für den Aachener Raum einen tendenziellen Temperaturanstieg. So war das Jahr 2009 trotz der relativ „normalen“ letzten beiden Winter überdurchschnittlich warm. Dazu trug vor allem der warme Sommer bei. Die mit zunehmender sommerlicher Hitze verbundenen Fragen sind zurzeit Gegenstand eines Forschungsprojektes der Arbeitsgruppe Klimatologie unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph Schneider im Programm „City 2020+“. Eine Zunahme an Wind sei zukünftig auch anzunehmen, so Gunnar Ketzler. Dies wäre für Aachen nicht nachteilig, denn durch die Kessellage wäre die Luftqualität bei weniger Wind deutlich schlechter. Mit Partnern in Belgien und den Niederlanden erforscht die Arbeitsgruppe in einem INTERREG-Projekt klimatologische Aspekte der Luftqualität.

Seit April 2004 betreibt das Geographische Institut außerdem eine weitere Wetterstation auf dem RWTH-Gelände Wildenhof am Rursee. Sie arbeitet seit 2007 vollautomatisch; der aktuelle Witterungsverlauf wird von einer Wetterkamera festgehalten. Daten und Zeitreihen der Kamera sind online abrufbar. Auch mehrere Wetterstationen im Ausland werden von den Aachenern betreut, so am „Gran Campo Nevado“ im südchilenischen Patagonien oder in Tibet und auf Spitzbergen. Sie haben die Erfassung raumzeitlicher Differenzierungen des Klimas und die Wechselwirkung mit den lokalen Gletschern zum Inhalt.

In diesem Jahr erscheint ein Sonderband der Aachener Geographischen Arbeiten mit Beiträgen zur regionalen Klimaforschung - einige Beiträge sind bereits online abrufbar.

Infos: Dr. Gunnar Ketzler, Telefon. 0241/80 96058, E-Mail: wetterstaion [a] geo.rwth-aachen (p) de , Internet: www.klimageo.rwth-aachen.de

i.A. Gabriele Renner

Stand: 08/2010

 
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