Internationale Konferenz: Behinderung durch Sicherheit?

Der bedeutende Soziologe Zygmunt Baumann eröffnet die Konferenz am Ethikzentrum der Universität Tübingen

Wie kann Sicherheit in einer demokratischen Gesellschaft gerecht hergestellt werden? Um diese Frage geht es von Donnerstag, dem 21. Juni, bis Samstag, den 23. Juni 2012, bei der Internationalen Konferenz ,,Security, Ethics, and Justice: Towards a More Inclusive Security Design". Wissenschaftler aus Deutschland,  Belgien, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und Japan nehmen daran teil. Veranstalter der Konferenz ist das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen.

,,Sicherheit" ist zu einem der Leitmotive der Gesellschaft, aber auch des persönlichen Lebens geworden. Dennoch gibt es Situationen, in denen bestimmte Menschen durch Sicherheitsmaßnahmen nicht unterstützt, sondern beeinträchtigt werden. Dies betrifft beispielsweise Menschen mit verdeckten Behinderungen, deren Behinderung durch Körperscanner am Flughafen zwangsweise sichtbar gemacht wird.

Die internationalen Experten werden die Wirkungen aktueller Sicherheitspraktiken diskutieren. Brisante Fragen wie die Herstellung von Sicherheit durch Profiling oder Formen von Exklusion, Verletzung der Privatsphäre oder Ungerechtigkeiten durch Sicherheitsanstrengungen werden interdisziplinär verhandelt.

 
Zygmunt Bauman, einer der einflussreichsten Soziologen Europas, wird die Konferenz am 21. Juni um 19 Uhr im Audimax der Universität Tübingen eröffnen. Mit seinem öffentlichen Vortrag "Changing means and ends of security: from panopticon to synopticon and banopticon" wird er einen kritischen Blick auf Fragen von Herrschaft, Überwachung, Unsicherheit und Ausgrenzung werfen. Baumann ist einer der großen Soziologen und Philosophen der Gegenwart. Er ist ein kritischer Kommentator  der Moderne und ihrer Ambivalenzen, etwa der Konsumgesellschaften oder der Globalisierung. Bauman wurde 1925 in Posen/Poznan geboren, 1939 flüchtete er mit seiner Familie vor den Nazis in die Sowjetunion. Knapp 30 Jahre später kam die zweite Emigration: Baumann, inzwischen Professor für Soziologie in Warschau, verlor seinen Lehrstuhl in einer politischen Atmosphäre, die sich gleichermaßen gegen kritische Intellektuelle und gegen Juden richtete. Von der Tel Aviv University wechselte er 1971 dann an die Universität von Leeds, wo er heute lebt  und schreibt.
 

Die Konferenz wird im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts KRETA (Körperscanner: Reflexion der Ethik auf Technik und Anwendungskontexte) am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen organisiert. Sie wird zudem unterstützt von der ,,Society for Applied Philosophy" (SAP) und der COST-Action "Living in Surveillance Societies" (LiSS).

 
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